Stell dir vor, sie geben Krieg und keiner geht hin

Werde du selbst zu dem Frieden, den du dir auf der Erde wünschst.

Stell dir vor, sie geben Krieg, aber keiner geht hin“.

Diesen Spruch aus der Friedensbewegung machte ich mir bereits als junger Mensch zueigen. Als Pazifist und Kriegsdienstverweigerer musste ich mich in einer Gewissensprüfung noch dafür rechtfertigen, dass ich keine Gewalt ausüben und den Kriegsdienst mit der Waffe verweigern will.

Mir war damals noch nicht bewusst, dass wirklicher Frieden – also auch das Ende der Gewalt gegen Tiere, Natur sowie das Ende von struktureller Gewalt, die Menschen ihrer Lebenschancen beraubt, – noch viel mehr bedeutet. Strukturelle Gewalt findet dort statt, wo Menschen ausgebeutet werden, wo Menschen Leid oder Tod anderer Menschen verhindern könnten, es jedoch dulden oder ignorieren, dass sie selbst zum Beispiel von Kinderarbeit profitieren.

Frieden beginnt im Herzen jedes Menschen

Mir wurde Schritt für Schritt bewusster, dass Frieden im Herzen jedes Menschen beginnt. Dann, wenn ich mich weigere, kriegerische, feindselige, hasserfüllte Gedanken, Gefühle, Worte oder Handlungen gegen andere Personen zuzulassen. Dann, wenn ich bereit bin, meinen Anteil an einem Konflikt zu erkennen, zu bereinigen und wieder gut zu machen, was ich verursacht habe. Dann, wenn ich vergebe und Frieden schließe.

Mir wurde immer bewusster, dass ich keinen anderen Menschen ändern kann, nur mich selbst. Wenn ich mich selbst erkenne, ändere und immer friedfertiger werde, dann stelle ich mir vor, dass jeder friedfertige, versöhnliche Gedanke wie ein Regentropfen ist, der sich mit anderen gleichartigen zusammentut und einen großen Regenbogen bildet.

Frieden, den du aussendest, kehrt in dein Herz zurück

Was würdest du tun, wenn du ganz sicher wüsstest, dass auf dich nur das zurückfällt, was du selbst ausgesendet hast?

Du kannst es einfach ausprobieren. Dein Leben wird dann immer bewusster, wertschätzender, achtsamer. Du bedankst dich, wenn dich jemand kritisiert, denn du willst dazu lernen. Du erkennst immer mehr das, was noch nicht deinem eigenen Ideal eines friedfertigen Menschen entspricht.

Du wirst feststellen, dass du immer mehr Energie, Kraft, Gesundheit und inneres Glück gewinnst, wenn du Konflikte schnellstmöglich klärst. Denn du vergeudest deine kostbare Energie nicht mehr mit Zank, Vorwürfen, Schuldzuweisungen, Gehässigkeiten, schlechtem Reden hinter dem Rücken anderer und vielem mehr.

Frieden durch inneren Wandel

Du wandelst dich innerlich. Da du dich selbst immer mehr in der Tiefe erkannt hast, bist du in der Lage, „hinter die Dinge“ zu schauen, deine Mitmenschen besser zu verstehen. Es gelingt dir immer besser, zu erfühlen, was hinter ihren Worten und Handlungen steht. Es gelingt dir immer besser, das Bedürfnis, den inneren Mangel hinter einer aggressiven, feindseligen, verletzenden Geste zu erkennen und zu verstehen.

Das heißt nicht, dass dadurch dein Leben konfliktfrei wird. Aber du gewinnst innere Stärke, Souveränität und ein tieferes Einfühlungsvermögen.

Du ziehst wiederum Menschen an, die auf einem ähnlichen Weg sind. Du bist in der Lage, viel tiefere Freundschaften aufzubauen und zu pflegen. Du strahlst das, was du im Inneren entwickelt hast, auf dein Umfeld aus. In dem Maße, in dem du dich wandelst, wandelt sich auch dein Umfeld oder du triffst bewusst die Entscheidung, dich mit denen zusammen zu schließen, die deine Werte der Friedfertigkeit und der Gewaltfreiheit teilen.

Je bewusster du diesen Weg gehst, je mehr Schritte du auf diesem Weg tust, umso feiner wird dein Empfinden. Du entdeckst immer weitere, feinere Aspekte, die du an dir und in deinem Leben ändern willst, weil die Sehnsucht nach Frieden in deinem Herzen immer stärker wird. Weil du immer bewusster leben lernst, fällt es dir auch immer leichter, möglichen Konflikten vorzubeugen oder / und sie schnell zu klären und daraus zu lernen. Dadurch wächst du innerlich. Dadurch entfaltet sich dein wahres Potential, deine wahre innere Größe immer mehr. Taucht ein Konflikt, ein Streit oder eine Herausforderung auf, dann hast du bereits so vielfältige Erfahrungen gesammelt und entdeckt, wie du mit Friedfertigkeit zur schnellen Lösung beitragen kannst.

Nähere dich der Vision einer friedlichen Erde an

Du näherst dich also deiner Vision einer friedlichen, gewaltfreien Erde immer mehr an und auch dem Idealbild deiner selbst. Dem friedfertigen, souveränen, verständnisvollen Menschen, zu dem du dich entwickeln willst, weil dir bewusst ist, dass du damit die Sehnsucht deines Herzens nach wirklichem Frieden erfüllst.

Ein solcher Weg ist also noch viel, viel mehr, als den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern und nicht in den Krieg zu ziehen. Es ist ein aktiver Friedensdienst im Alltag.

Wenn dich die immer kriegerischer werdende Welt ängstigt und besorgt, wenn du das immer kriegerischere Gegeneinander der Menschen, die Spaltung, die Aggressionen und Feindseligkeiten immer weniger ertragen kannst, dann mache dir bewusst, dass es in deiner Hand liegt, all’ dem etwas Positives entgegenzusetzen.

Schließe Freundschaft und Frieden mit allen Lebewesen

Du kannst dies zunächst für dich tun, in deinem direkten Umfeld, mit den Menschen, die dir nahe stehen. Je mehr du dich zu einem Vorbild entwickelst, Freundschaft und Frieden mit allen Lebewesen schließt, umso mehr entwickelst du die Voraussetzung dafür, eine Bildung praktizieren zu können, die sich an der Vision einer gewaltfreien, friedlichen Erde orientiert. Einer Bildung mit der Ethik der Goldenen Regel: „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu“.

Nur dann, wenn du selbst in diesem Sinne das umsetzt, was du erkannt hast und an dir selbst verändern willst, wirst du ein glaubwürdiges Vorbild. Nur dann kannst du wiederum Kinder, Jugendliche oder Erwachsene von Innen her führen, sie begleiten und coachen.

Du verstehst also, dass eine solche Art von Bildung nicht dadurch erlernt und praktiziert werden kann, dass du Wissen anhäufst, ein wissenschaftliches Studium absolvierst, Hausarbeiten schreibst und auf diese Weise Titel erwirbst, die in unserer Gesellschaft als wertvoll anerkannt sind und dir die Tür öffnen, um eine angesehene Stellung zu bekommen.

Die Bildung der Zukunft braucht Menschen, die einen Weg des inneren und äußeren Wandels gehen. Menschen, die Pionierinnen und Pioniere sind, weil sie den Mut haben, neue Wege, nicht nur für sich, sondern auch auf dem Gebiet der Bildung zu gehen. Menschen, die sich trauen, gegen den Strom zu schwimmen, weil sie in ihrem Herzen das Bild sowie die Sehnsucht nach einer friedlichen, gewaltfreien Erde für Menschen, Tiere und Natur tragen.

Was heißt das nun ganz konkret in der pädagogischen Praxis?

Wenn du Bildungsprojekte mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen umsetzt, bei denen du den Anspruch hast, einen Beitrag zur Verwirklichung einer friedlichen, gewaltfreien, gerechten Erde zu leisten, dann bringt es wenig, wenn du Frieden nur predigst, aber nicht im Miteinander vorlebst.

Es kann sein, dass du wunderschöne, naturpädagogische Projekte umsetzt, die Kindern helfen, eine tiefere Beziehung zu Tieren und Natur aufzubauen. Doch was tust du, wenn gerade dann, in einer solchen schönen Atmosphäre ein Konflikt, ein Streit, ein Kleinkrieg entsteht?

Dann sind wir gefordert, zusammen mit den Kindern Strategien zu entwickeln, wie wir Konflikte gewaltfrei lösen können. Denn Konflikte haben immer Vorrang.

Dann gilt es, dass du gemeinsam mit den Kindern Handlungsalternativen und Lösungsmöglichkeiten entwickelst, die dazu beitragen können, dass im Kleinen das passiert, was wir uns im Großen wünschen:

Sie geben Krieg und keiner geht hin.

Ein Beispiel aus einem Kinderprojekt

Wir hatten an einem Tag bereits die Methode „Geheimer Lieblingsplatz“ durchgeführt. Das ist eine Methode, bei der die Kinder eingeladen sind, sich selbst ihren Lieblingsplatz in der Natur zu suchen, an dem sie eine gewisse Zeit still und allein verbringen – ohne zu reden. Nur für sich alleine. Eine wundervolle Übung, die, wenn die Kinder sie einmal wirklich mitgemacht haben, von ihnen immer wieder eingefordert wird.

An jenem Tag führten wir diese Methode bereits zum zweiten Mal durch. Die Kinder sollten sich wieder einen geheimen Lieblingsplatz suchen.

An diesem Tag war ein weiteres Kind, nennen wir ihn Felix, dabei, der am Vortag krank war. Nun kam es zu einem Konflikt. Felix, der am Vortag nicht dabei war, hatte sich schnurstracks und schnell einen Platz ausgesucht, den am Vortag ein anderes Kind, nennen wir ihn Sandro, gewählt hatte.

Es war nicht die Rede davon, dass jedes Kind an diesem Tag wieder genau zum gleichen Platz gehen sollte oder müsste. Aber Sandro hatte es für sich so verstanden. Er wollte wieder an seinen Platz, an dem er am Vortag bereits gute Gefühle hatte. Felix wiederum, der am Vortag nicht dabei war, hatte den geheimen Lieblingsplatz gewählt, an dem am Vortag Sandro war, ohne zu wissen, dass Sandro darauf einen Anspruch erhebt.

Beide fühlten sich nun im Recht. Sandro, weil er der Auffassung war, diesen Platz bereits gestern gewählt zu haben und es nun sein eigener Platz sei.

Felix, weil er der Auffassung war, dass jeden Tag jedes Kind die freie Entscheidung hat, welchen Platz es wählen will und er an diesem Tag den genannten Platz zuerst gewählt hatte.

Es gab einen heftigen Streit zwischen den beiden, mit feindseligen Worten, der fast handgreiflich wurde.

In einem solchen Fall ist nun deine Konfliktfähigkeit gefragt, genauer: deine Fähigkeit zur Konfliktmoderation.

  • Kannst du jetzt den Kindern ein gutes Beispiel sein, um ihnen zu helfen, aus dieser Situation zu lernen?
  • Kannst du alle Kinder bei der Entwicklung von Lösungsmöglichkeiten und Handlungsalternativen einbeziehen, damit sie alle lernen dürfen?
  • Kannst du durch geschickte Reflexionsfragen einen co-kreativen Prozess anstoßen?
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Wenn du möchtest, notiere dir deine Ideen und bringe sie gerne in unseren nächsten Kurs ein.

Natur-, Mitwelt- und Ernährungsbildung – für die Achtung allen Lebens
ein. Wir werden – unter anderem – genau das üben. Sei dabei und mach mit.

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