Wandel der Bildung – intensive WandlungsTräume

Modellprojekt WandlungsTräume-Intensivausbildung

In verschiedenen Artikeln, hier, hier und hier, haben wir bereits erläutert, warum wir einen grundlegenden Wandel unseres Bildungssystems brauchen, wenn wir ernsthaft das Ziel verfolgen, mit unseren Bildungsangeboten einen Bewusstseinswandel zu fördern. Um die Krisen unserer Erde zu meistern, ist ein solcher Bewusstseinswandel unabdingbar.

Es genügt keinesfalls, lediglich Informationen zu vermitteln, um zu erreichen, dass Menschen ihren Konsum-, Lebens- und Ernährungsstil hinterfragen und ändern. In vielen Studien wird eine große Diskrepanz zwischen (Umwelt-)Wissen und Handeln festgestellt. Unser bisheriges Bildungssystem hat es auch nicht bzw. nur sehr unzureichend geschafft, Menschen dabei zu unterstützen, dass sie sich freudig und freiwillig selbst reflektieren, um immer mehr innere Werte zu entwickeln, um zu friedfertigen, konfliktfähigen, gerechten und empathischen Menschen zu werden. Denn Selbstreflexion, Selbsterkenntnis und Selbstveränderung, die Entwicklung von inneren Werten sowie das Arbeiten an der eigenen inneren Haltung, wird weder in Schulen, noch Universitäten eingeübt.

Wenn wir erreichen wollen, dass wir uns der Vision einer friedlichen, gewaltfreien Erde annähern, auf der Menschen, Tiere und Natur in Einheit, Liebe und gegenseitiger Achtung zusammenleben, dann müssen wir neue Wege der Bildung mit neuen Rahmenbedingungen ausprobieren. Genau das tun wir bei dem Modellprojekt Wandlungs(t)räume-Intensivausbildung.

 

Rahmenbedingungen gestalten

Grundlegende Voraussetzung dafür, dass das Experiment Wandlungs(t)räume-Intensivausbildung ein Erfolg wird, ist zunächst die gemeinsame Gestaltung von möglichst förderlichen Rahmenbedingungen. Dazu gehört, gemeinsam darauf zu achten, dass alle Beteiligten nicht durch anderweitige Verpflichtungen oder Nebentätigkeiten unter Druck und Stress geraten und sich überfordert fühlen. Dazu gehört auch, gemeinsam Lösungen zu finden, damit die finanzielle Situation Aller entspannt ist, sich also Niemand Sorgen darum machen muss, wie er oder sie den eigenen Lebensunterhalt bestreiten kann. Es gehört dazu, dass die Präsenzzeit in Gemeinschaft (im Durchschnitt sieben Tage pro Monat) von allen Beteiligten als geschützte Zeit respektiert wird, die immer gemeinschaftlich verbracht wird. Sollte also eine Person den Wunsch haben, während der vereinbarten Gemeinschaftszeit einen anderen Termin wahrnehmen zu wollen, geht dies nur, wenn die gesamte Gruppe (inklusive pädago­gischer Begleitung) die Termine für die Gemeinschaftszeiten im Konsens abändert. Es gibt – abgesehen von den Vorgaben und Rahmenbedingungen des Geldgebers, der das Modellprojekt mit ermöglicht – keine Weisungsgebundenheit. Wir streben eine gleichberechtigte Partnerschaft auf Augenhöhe an.

 

Mitwirkmöglichkeiten & Gemeinschaftsökonomie

Alle Teilnehmenden der Wandlungs(t)räume-Intensivausbildung bringen Motivation, Identifikation und Freude an der freiwilligen Gestaltung und Umsetzung von Bildungsprojekten der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) / des Globalen Lernens mit. Sie sind eingeladen, aber nicht verpflichtet, an den Projekten, Seminaren und Workshops von Schützer der Erde e. V. aktiv mitzuwirken. Alternativ oder / und parallel können die Beteiligten auch eigene Projekte der BNE / des Globalen Lernens, der Natur- und Mitweltbildung entwickeln, eigeninitiativ umsetzen und dabei lernen, wie sie ein eigenes Sozialunternehmen aufbauen, entwickeln und gemeinschaftlich-solidarisch leiten können. Allen Beteiligten steht die Möglichkeit offen, nach Beendigung der Wandlungs(t)räume-Intensivausbildung auch weiterhin in, mit und für die Ziele und Vision des Vereins Schützer der Erde e. V. tätig zu werden, wenn sowohl sie, als auch der Verein das wollen.
Unter Beachtung der Voraussetzung, dass sich Niemand aus der Gruppe Sorgen um die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts machen muss, sind alle Beteiligten bereit, ihre während des Ausbildungsjahres möglicherweise durch BNE-Projekte erzielte Einnahmen nach Abzug der Unkosten in einen Gemeinschaftsökonomietopf zu geben. Aus diesem werden dann einerseits Stipendien oder Teilstipendien für weitere Weiterbildungen, andererseits auch Weiterbeschäftigungsvereinbarungen mit Beteiligten der Wandlungs(t)räume-Intensivausbildung nach ihrem Ausbildungsjahr sowie Aufträge für andere Mitwirkende finanziert werden, die sich um Homepage, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Fundraising, Organisation, Koordination, Verwaltung etc. kümmern, damit das Wandlungs(t)räume-Projekt weiter wachsen kann.

 

So viel Unterstützung wie nötig, so wenig wie möglich

Mit dem Modellprojekt Wandlungs(t)räume-Intensivausbildung, an dem vier junge Pionierinnen – Anna, Bella, Isa und Sarah – mitwirken, verfolgt Schützer der Erde e. V.  das Ziel, bei den Beteiligten soziale Kompetenzen, Persönlichkeitsbildung sowie die Bildungs- und Beschäftigungsfähigkeit der Freiwilligen zu fördern. Daneben soll dieses Modellprojekt auch ein Reallabor, ein Aktionsforschungsprojekt, sein, im Rahmen dessen erprobt wird, wie darüber hinaus bei den Beteiligten in möglichst optimaler Weise Schlüsselqualifikationen für eine Bildung der Zukunft gefördert werden können: Vernetztes Denken, vorausschauendes Denken, interdisziplinäres Vorgehen, Kreativität und Phantasie, Förderung von Problemlösungsfähigkeit, Förderung der Fähigkeit zur Werte-Entwicklung / Wertorientierung (Dialogfähigkeit, Selbstreflexion, Konfliktfähigkeit, Sinnfindung), Forschungskompetenz und anderes.

Auch die Förderung von Kompetenzen und Erfahrungen, wie wir mit begrenzten Ressourcen verantwortungsvoll umgehen und einen alternativen Lebensstil entwickeln und (vor-)leben können, der gesund, sozial, global gerecht, ökologisch verantwortungsvoll und friedfertig ist, gehört zu diesem Experiment. Ein solches Modellprojekt erfordert von allen Beteiligten Vertrauen, freiwilliges Engagement aus eigener Motivation und Freiräume zum Experimentieren, Ausprobieren und Gestalten. Darum erhalten die Teilnehmenden in diesem Prozess so viel Unterstützung wie nötig, aber so wenig wie möglich, um sie in ihrer Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit zu stärken.

 

Die Beteiligten und Commitments (Vereinbarungen)

Um Wandlungsräume zu gestalten, ist es notwendig, dass alle Beteiligten offen und bereit sind, an ihrer inneren Haltung zu arbeiten und sich darüber zu verständigen, wie sie miteinander umgehen wollen, damit solche Räume entstehen können. Hier einige Vereinbarungen, die Gruppe gemeinschaftlich getroffen hat:

+  Wir nehmen uns vor, miteinander nach den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) umzugehen.
+  Wir erlauben uns, uns gegenseitig darauf aufmerksam zu machen, wenn wir das vernachlässigen sollten.
+  Bei jeder Gemeinschaftszeit setzen wir uns in einer Einheit mit Aspekten der GfK auseinander und tauschen uns darüber aus.
+  Wir sprechen unsere Bedürfnisse offen an und suchen gemeinsam nach einer Konsenslösung, um ihnen allen gerecht zu werden.
+  Wir respektieren einander und gehen achtsam miteinander um.
+  Wir sind offen und ehrlich, untereinander, aber auch gegenüber unseren Geldgebern und Partnern
+  Wir sehen Konflikte als Chancen, um daraus zu lernen und zu wachsen. Darum üben wir uns darin, sie offen und im Sinne der GfK anzusprechen und zu lösen.

Beispielhafter Ablauf und Inhalte in der ersten Gemeinschaftszeit

Dragon Dreaming

Wir haben unsere Träume gesammelt und uns darüber ausgetauscht, wie wir uns den Verlauf der Wandlungs(t)räume-Intensivausbildung idealerweise vorstellen.

Methodentraining, Reflexion und kollegiales Feed-Back

In der Vorbereitungszeit haben die Teilnehmenden jeweils die Anleitung einer Methode der Natur- und Mitweltbildung / des Globalen Lernens / der BNE vorbereitet, die sie dann in der Gruppe angeleitet haben. Auf diese Weise haben sie die im 1. Modul der Weiterbildung Wandlungs(t)räume-Coach gewonnenen Erfahrungen weitergeführt, vertieft und ihre Methodenkompetenz gestärkt.

 

Partizipative Gestaltung der Bildungszeiten in Gemeinschaft

Es gibt für die Bildungszeiten in Gemeinschaft (Präsenzzeiten) zwar gewisse, im pädagogischen Konzept sowie durch gemeinsame Vereinbarungen gesetzte Ankerpunkte und Rahmenbedingungen. Aber die Gruppe lernt, sich für die Gemeinschaftszeit einen eigenen Ablauf- und Bildungsplan zu erarbeiten, der flexibel abgeändert werden kann. So lernen die Beteiligten gleichzeitig Zeit-, Ziel- und Projektmanagement sowie Fähigkeiten, die sie in ihrer Rolle als Seminar- und Workshopleitende auch benötigen werden.

 

Selbst-, Zeit- und Projektmanagement

Dazu gehören unter anderem folgende Übungen und Einheiten, mit deren Hilfe die Beteiligten Projektleitungskompetenzen entwickeln:

  • Eigene Ziele für die WandlungsTräume-Intensivausbildung planen.
  • Sich selbst reflektieren: Was kann ich, was will ich, wer bin ich, welche Talente, Fähigkeiten und Erfahrungen habe ich und will ich einbringen?
  • Etappenziele (Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres-Ziele) und Prioritäten setzen lernen. Was ist wichtig, was dringlich, um selbst gesetzte Ziele zu erreichen?
  • Selbstorganisation: Absprachen, flexible Planung, eigene Grenzen wahrnehmen und beachten lernen.
  • Energie- und Motivationstiefs überwinden.

 

Gemeinschaftsbildung, innerer Wandel, Austausch und Selbsterkenntnisse

Zur Team- und Gemeinschaftsbildung gehörten der Austausch über eigene Bedürfnisse, Ziele und Träume, über gemeinsame Werte und Regeln für das Zusammenleben, über persönliche innere Schritte, Belastungen, Hürden und Problemlösungen, aber auch Achtsamkeitsübungen (z. B.  in Stille und sehr bewusst speisen) oder Selbsterfahrungsübungen mit Wertekärtchen, die sich die Gruppe einvernehmlich vornahm und später auswertete. In der Gemeinschaft konnten die Beteiligten weitere und vertiefte Erfahrungen mit den in der Weiterbildung WandlungsTräume-Coach bereits geübten Räumen, Regeln und Austauschrunden sammeln, um sich mitzuteilen und um sich – wenn das Bedürfnis da war – auch über eigene Schritte des inneren Wandels, Selbsterkenntnisse, Vorsätze sowie deren Umsetzung auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren.

 

DIY: Kochbuch entwickeln – biovegan, gesund, lecker und bezahlbar

Ein gemeinsames Do-it-Yourself (DIY)-Projekt stellt das Ziel dar, ein Kochbuch unter dem Motto „Biovegan, gesund, lecker und bezahlbar“ zu entwickeln. So gehörte es zum Inhalt der Ausbildungsphase, mehrmals kreative Mahlzeiten in diesem Sinne zu erproben und zu dokumentieren. Dabei wurde selbstverständlich auch darauf geachtet, möglichst saisonale, regionale, frische Zutaten zu wählen und Reste kreativ zu verwerten. Die dabei entstanden Rezepte wurden fotografiert und sollen später in dem geplanten Kochbuch veröffentlicht werden

 

Themen des Wandels – Gesprächsimpulse, Austausch und Reflexion

In der Vorbereitungszeit hat sich jedes Teammitglied der Wandlungs(t)räume-Intensivausbildung ein eigenes Thema der BNE / des Globalen Lernens ausgewählt, dazu recherchiert, Fakten und Informationen gesammelt, um damit eine Workshopeinheit zu gestalten. Unter Einbeziehung der Ideen, Erfahrungen und des Wissens der anderen Beteiligten hatten somit alle die Chance, sich mit den anderen vertieft über ihr Lieblingsthema auszutauschen und ihr Wissen weiter zu geben. Die Themen in der ersten Gemeinschaftszeit waren:

  • Ganzheitlich Grün,
  • Minimalismus / Zukunftsfähige Konsum- und Lebensstile,
  • Alternative Ökonomie / Gemeinwohlökonomie

 

Workshopideen sammeln

In einer weiteren Bildungseinheit setzte die Gruppe sich damit auseinander, welche Ideen sie für Workshops und Seminare haben, sowohl solche, die sie sich zutrauen, selbst zu geben, als auch solche, für die sie gerne Expertinnen oder Experten einladen will, um den selbstbestimmten Bildungsprozess der Gruppe zu bereichern.

 

Fördermöglichkeiten

In einer Einheit stand auch die Einarbeitung in das Entwickeln und Stellen von Förderanträgen für Bildungsprojekte auf dem Programm. Das war wichtig, um zu verstehen: Welche Projekte hat Schützer der Erde e. V. bisher wie beantragt? Was waren die Inhalte? Wie und wo wurden sie so präsentiert, damit es gelang, Fördermittel dafür zu erhalten?

 

Recherche- und Lesezeiten

Diese Zeiten waren dazu da, um Hintergrundinformationen für die Erstellung eigener Projekte des Globalen Lernens zu sammeln, pädagogische Fachartikel zu lesen und eine Projektskizze für das eigene Projekt zu entwickeln, das im Rahmen der Weiterbildung WandlungsTräume-Coach umgesetzt werden soll.

 

Kreativen Flow erleben

Dies war eher ein Nebeneffekt, den die Beteiligten spontan mit großer Begeisterung und Freude erprobten. Einerseits ergab sich ein solcher kreativer Flow bei der Findung eines Namens für einen eigenen Verein, den sie gründen wollen, andererseits erprobten sie kreative und die Kreativität fördernde Methoden zur Bewältigung von Energietiefs. Auf diese Weise sammelten die Beteiligten Erfahrungen, wie sie später in einer Leitungsrolle bei den Beteiligten Kreativität, Spaß und Freude anregen können. Sie entwickelten auf diese Weise die Kompetenz, Leichtigkeit und Lachen zu fördern, was bei ernsthaften Themen, wie die der BNE und des Globalen Lernens, sehr wichtig ist, um sich selbst immer wieder motivieren zu können.

 

Selbstwirksamkeit erfahren – ins Tun kommen

In einer weiteren Einheit, die die Beteiligten sich selbst überlegt hatten, ging es darum, die Talente, Erfahrungen und Stärken aller Beteiligten sichtbar zu machen, um sie dann auch in die Gruppe einzubringen, weiterzuentwickeln und zu entfalten. In diesem Zusammenhang entstanden einige, spannende neue Ideen für die Öffentlichkeitsarbeit, die Sarah und Bella gerne einbringen wollen.

 

Feiern

Musik, das gemeinsame Feiern, darf natürlich in einer solchen Gemeinschaftszeit der Wandlungs(t)räume-Intensivausbildung auch nicht zu kurz kommen, weil dadurch das Gemeinschaftsgefühl sowie die Wohlfühlatmosphäre gefördert werden.

 

Fazit

Für alle Beteiligten war das intensive gemeinsame Forschen, sich Bilden, sich Erproben und Gestalten eine bereichernde und begeisternde Erfahrung, die allen Beteiligten sehr viel Freude bereitete. Die Beteiligten waren sich darin einig, dass es ihnen sehr gut gelungen ist, gemeinsam eine Wohlfühlatmosphäre und einen Wandlungsraum zu gestalten, den sie alle als inspirierend, motivierend und ermutigend empfanden.

 

 

Hast Du selbst auch Erfahrungen mit der Gestaltung von Wandlungsräumen und freier, selbstbestimmter Bildung gesammelt? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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